Buchvorstellung

Nach der gemeinsamen Lesung letzte Woche, hier die Vorstellung des Buches.

Am 17. Juli 2019 hat das Münchner Bündnis gegen Depression e.V. eine Lesung mit anschließendem Gespräch über den selbstverständlichen Umgang mit psychischer Gesundheit veranstaltet.
Dabei hat Autorin Dominique de Marné, Mental Health Advocate und selbst Betroffene, aus ihrem Buch "Warum normal sein gar nicht so normal ist" gelesen und Dr. Karolina De Valerio, Mitarbeiterin des Münchner Bündnis gegen Depression e.V. und EX-IN Genesungsbegleiterin, eigene Lyrik Texte vortragen. Im anschließenden Gespräch mit dem Publikum wurde darüber gesprochen, was es benötigt, um psychisch gesund zu bleiben, warum wir selbstverständlich damit umgehen sollten und warum reden und schreiben dabei helfen kann.
 

Anlässlich dieser Lesung möchten wir Ihnen nun einen passenden Kommentar zum Buch von Dominique de Marné vorstellen, der von Alexandra Chuonyo, Leiterin der Geschäftsstelle des Landesverbandes Bayern der Angehörigen psychisch Kranker e.V. verfasst wurde und der in der Zeitschrift "unbeirrbar" (Ausgabe Juni 2019) erschienen ist.

 

Warum normal sein gar nicht so normal ist …. und warum reden hilft

Dominque de Marné, ein Name, der gerade bekannt wird in Deutschland: nicht nur in Fachkreisen, sondern vor allem auch in der breiten Öffentlichkeit. Die Autorin hat mit ihrem Buch „Warum normal sein gar nicht so normal ist“ eine enorme Medienwirksamkeit erzielt. Leipziger Buchmesse, TV-Show Volle Kanne, Süddeutsche Zeitung, um nur ein paar ausgewählte Auftritte und Berichte zu erwähnen. Ihr Credo ist: „Wir müssen darüber reden“. Sie will das Tabu der psychischen Erkrankung endlich brechen. Sie setzt sich mit aller Energie dafür ein, dass sich im Umgang mit psychischen Problemen etwas ändert, dass sich Betroffene nicht verstecken müssen, dass sie nicht als „verrückt“ abgestempelt werden und dass sie aus Angst vor diesem Stigma keine Hilfe in Anspruch nehmen. Dafür bloggt sie, dafür liest sie, dafür referiert sie, dafür spricht sie vor Schulklassen, dafür hält sie Lesungen und dafür hat sie dieses Buch geschrieben. Dank guter Selbstfürsorge kann sie ein hohes Pensum an Einsätzen als Mental Health Advocate trotz ihrer Borderline-Erkrankung bewältigen.

Ja, und um diese Erkrankung geht es auch in diesem Buch. Sie ist der rote Faden, aber geboten wird den Lesern viel mehr als der Einblick in den persönlichen Umgang der Autorin mit ihrer Erkrankung. Noch nie habe ich eine so lebendige, mitreißende Sprache erlebt wie beim Lesen dieses Buches. Es ist zugleich Erfahrungsbericht und Sachbuch. Eigentlich wollte ich die Kapitel nur überfliegen, um mir einen Eindruck zu verschaffen, dann war ich plötzlich – und ohne Überspringen von Seiten – auf Seite 88 gelandet. Klar, viele allgemeine Informationen waren mir bekannt, aber sie kamen so locker und interessant rüber, dass ich gar nicht merkte wie die Zeit verging, und wie ich so ganz nebenbei mein Wissen auffrischte. Eingebettet in persönliches Erleben erfährt der Leser viel  über psychiatrische Diagnosen, ganz allgemein und vertiefter über Borderline-Persönlichkeitsstörung, Depression und Sucht, weil die Autorin von allem dreien betroffen ist. Aber auch Therapiemöglichkeiten, Prävention und Stigma werden als Themen aufgegriffen. „Wie sagen? Über den persönlichen Umgang mit den unsichtbaren Krankheiten“ – heißt ein Kapitel. Eingeleitet mit „Stigma, eines meiner liebsten Themen. Denn es ist nach wie vor ein großes Problem in unserer Gesellschaft. Die Angst vor den Reaktionen der Umwelt, die Angst vor negativen Konsequenzen – vor allem am Arbeitsplatz – die Angst davor, ausgegrenzt, verurteilt, beschimpft, bemitleidet, ‘komisch‘ behandelt zu werden. All das ist Stigma.“ erfährt der Leser Tipps für ein „Coming-out“ trotz der großen Angst vor diesem Stigma.

240 Seiten Lesefreude mit der Ermutigung „Redet darüber“, der wir uns nur anschließen können. „Reden hilft, Zuhören auch“, ist Dominques Motto. Wir ergänzen es um „Lesen auch“.

 

Buchdaten:
Dominique de Marné: „Warum normal sein gar nicht so normal ist … und warum reden hilft“. Scorpio Verlag GmbH & Co. KG, München 2019; ISBN 978-3-95803-253-8; 240 Seiten; 18,00 Euro

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