Eine Erfolgsgeschichte

Ursula M. hat viel für sich erreicht. Ein Interview über Ihren Fortschritt.

Ursula M., 45 Jahre, arbeitet Vollzeit als hauswirtschaftliche Erstkraft in einem Kindergarten und ist seit gut einem Jahr regelmäßige Teilnehmerin unserer Laufgruppe. Sie hat Unglaubliches erreicht und deshalb stellen wir Ursula im Interview vor.

  • Wann hat Deine Erkrankung begonnen und wie hat sie sich gezeigt?
    Im Alter von 16 Jahren gab es verschiedene Anzeichen. Ich bekam verschiedene Diagnosen: Essstörung, Depressionen und Borderline waren die Hauptdiagnosen.
     
  • Wie bist Du auf unsere Laufgruppe gekommen?
    Vor knapp einem Jahr bin ich zur Laufgruppe gekommen. Ich wollte etwas ändern, weil ich mich hässlich fand. Wollte abnehmen und dann habe ich mich informiert, was es gibt. Ich habe Euren Flyer gesehen.
     
  • Wie häufig besuchst Du die Laufgruppe?
    Eigentlich jeden Montag. Ich habe bis jetzt nur 4-mal gefehlt. Ich komme bei Wind und Wetter. Meine Kondition ist innerhalb von einem Jahr so gut geworden. Am Anfang konnte ich keine 10 Minuten laufen und jetzt laufe ich 10 Kilometer in 56 Minuten. Im Herbst will ich den Halbmarathon machen und bei einem Lauf im Sommer 15 Kilometer laufen.
     
  •  Was ist das Besondere an dieser Laufgruppe für Dich?
    Es ist eine Zeit, wo ich gar nicht nachdenken muss. Ich konzentriere mich nur aufs Laufen. Weil ich die Erfolge sehe, macht es Spaß.
     
  • Wie hat das regelmäßige Laufen Dein Leben verändert?
    Zuerst einmal habe ich abgenommen. Einerseits durch eine Ernährungsumstellung, aber auch durch das Laufen. Außerdem kann ich dadurch dieses dauernde Denken abschalten, bin weg vom Alltag und Stress. Natürlich bin ich auch viel fitter. Ich habe fast 30 kg abgenommen, bin ausgeglichener.
    Jedes Mal, wenn ich Laufen gehe, ist alles gut. Ich habe fast alle Psychopharmaka absetzen können, bis auf eines in relativ geringer Dosis. So richtig entwickelt hat sich das alles vor 2-3 Jahren, als ich erkannt habe, dass ich etwas verändern möchte. Ich habe eingesehen, dass ich selbst etwas verändern muss, nicht die anderen. Das war der Knackpunkt.
     
  • Haben sich über die Laufgruppe hinaus Bekanntschaften entwickelt?
    Ja schon auch. Ab und zu gehen wir noch zusätzlich zum Laufen.
     
  •  Hast Du Tipps für Tage, an den der innere Schweinehund sehr groß ist?
    Trotzdem laufen. Gar nicht darüber nachdenken. Das ist überhaupt mein Denken: Denk nicht darüber nach, wie es dir geht. Mach es einfach. Wenn du weißt, der Alltag wird stressig, mach alles eins nach dem anderen und denk nicht darüber nach, wie es dir geht, denn dann geht es dir schlecht. Wenn du dann auch noch lächeln kannst, ist der Tag gerettet.
     
  • Was möchtest Du jemandem sagen, der gerade erkrankt ist?
    Ich komme aus dem Dunkel und habe mich so nach und nach hochgearbeitet. Das, was ich jetzt erreicht habe, ist mir nicht in den Schoß gefallen. Es gibt durchaus auch Tage, an denen ich meine Tipps selber hasse. Ich versuche trotzdem immer so weiterzumachen, wie ich es mir selbst sage. Wenn ich es gar nicht aushalte, z.B. am Wochenende, dann gehe ich laufen. Dann ziehe ich mir die Schuhe an und gehe raus. Und spätestens da sind dann die Gedanken weg.
    Und ich denk, das kann man als Abschluss sagen: Wo Schatten ist, ist auch Licht. Das sieht man nicht, wenn man drinnen ist.