Studienteilnehmer*innen gesucht

Für eine Studie zu den Erwartungen an das Absetzen längerfristig eingenommener Antidepressiva.

Die Helmut Schmidt Universität in Hamburg sucht aktuell noch Studienteilnehmer*innen für die ELA-Studie. Im Rahmen der ELA-Studie werden die Gründe für eine Langzeiteinnahme von Antidepressiva aus Sicht von Patient*innen und die Erwartungshaltungen hinsichtlich des Absetzens sowie potentiellen Einflussfaktoren untersucht. Die Ergebnisse dieser Studie sollen als erste Grundlage für die Entwicklung eines Interventionsprogramms dienen, das Patient*innen im Absetzprozess von Antidepressiva unterstützt.

Alle Informationen zur Studie und zu den Teilnahmebedingungen finden Sie hier.

 

Die Hintergründen der Studie laut der Helmut Schmidt Universität:

"Im Laufe der letzten Jahrzehnte ist die Anzahl der Antidepressiva-Verschreibungen deutlich gestiegen. In Deutschland hat die Verschreibungsrate der am häufigsten eingenommenen Substanzklasse, der Serotonin-Rückaufnahme-Inhibitoren (SSRI), in den letzten 10 Jahren um 40% zugenommen (Schwabe et al. 2017). Dies geht insbesondere auf eine gestiegene Langzeiteinnahme zurück (McCrea et al., 2016; Mojtabai & Olfson, 2014), wobei der aktuelle Forschungsstand keinen eindeutigen Mehrwert einer Einnahme von über 4 bis 6 Monaten nach Rückgang der Symptome hinaus zeigt (Bauer et al. 2015).

In Deutschland gibt es zur Behandlung von vielen Erkrankungen offizielle Leitlinien. Diese werden von wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften erarbeitet und auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und in der Praxis bewährten Verfahren basieren. Die verlässlichsten Leitlinien sind die sogenannten S3-Leitlinien, welche die höchsten Anforderungen erfüllen (weitere Informationen zu „Was sind Leitlinien?“ finden Sie hier).

Für die Behandlung mittelgradiger und schwerer depressiver Episoden empfiehlt die deutsche S3-Leitlinie eine Erhaltungstherapie mit Antidepressiva von 4 bis 9 Monaten nach Rückgang der Symptome (S3-Guideline Depression/National Disease Management Guideline, 2015). Bei zwei oder mehr depressiven Episoden in der jüngeren Vergangenheit, die mit einer erheblichen Einschränkung im Alltag einhergegangen sind, wird im Sinne einer Langzeitprophylaxe eine Einnahme über mindestens 2 Jahre empfohlen.

Allerdings enthält die deutsche S3-Leitlinie zur Behandlung mittelgradiger und schwerer depressiver Episoden keine genauen Empfehlungen hinsichtlich des Absetzzeitpunktes von Antidepressiva. Deshalb ist bislang unklar, wann und wie ein Absetzen von Antidepressiva durchgeführt werden sollte, sodass das Risiko eines Wiederauftretens von Symptomen minimiert wird und Absetzerscheinungen möglichst gering sind.

Viele Patientinnen und Patienten nehmen deshalb ein Antidepressivum ein, welches nicht mehr notwendig wäre. Es gibt Hinweise darauf, dass bei 30-50% der Patienten mit Langzeiteinnahme keine Indikation für die weitere Anwendung von Antidepressiva besteht (Ambresin et al., 2015; Cruickshank et al. 2008; Piek et al. 2014). In Kooperation mit Wissenschaftlern der University of Southhampton, UK, ist Prof. Dr. Nestoriuc bereits an der Entwicklung einer digitalen Intervention in Großbritannien beteiligt, die das sichere Absetzen von Antidepressiva unterstützen soll (Bowers et al., 2020, in press).

Über mehrere Studien hinweg konnte eine große Bedeutung von Behandlungserwartungen in der medikamentösen Behandlung mit Antidepressiva aufgezeigt werden (Kirsch et al., 2008; Rief et al., 2009; Rutherford et al., 2010). Bislang wurden entsprechende Implikationen noch nicht in das Design von Absetzstudien oder in die klinische Praxis überführt.

Durch die Ergebnisse der ELA-Studie und weiterer Folgestudien könnte die Versorgung vieler Patientinnen und Patienten verbessert werden. So ist die Erfassung von Erwartungshaltungen unter Patientinnen und Patienten mit einer langfristigen SSRI-Einnahme und dem Wunsch, diese Medikation abzusetzen, sowie die Erfassung damit einhergehender Einflussfaktoren von höchster Bedeutung, um langfristig ein effektives Absetzprogramm entwickeln zu können."